Hundesportverein Stotternheim e.V.
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Mein Prüfungstag

7.00 Uhr
Leichte Hektik zu Hause! Meine Chefin kleidet sich ein: saubere Hose, die gute Jacke und die schwarzen Schuhe. Na ja, dann muss ich wohl hier bleiben und sie geht alleine weg. -  Schade!
Aber wenn ich mitgehen dürfte, dann hätte sie ja sicher die Jacke angezogen, die nach Leckerlies, Spielies und nach mir riecht und sie würde die Turnschuhe tragen, die ich sooo liebe, weil sie nach Feld, Wiese und Wald riechen.

7.30 Uhr
Oh!! Ich darf doch mit!
Wir gehen zusammen zum Auto und sie spricht andauernd mit mir und streichelt mich ständig. Warum? Was ist denn bloß los???

8.00 Uhr
Toll!! Wir sind auf dem Hundeplatz. - Gut! - Alles OK. - Da kenn ich mich aus.
Die anderen sind auch da - wie immer - aber warum dürfen wir jetzt nicht mal kurz spielen??
Alle sind so ernst!! - Wir gehen ein Stück und ständig sagt sie:" Mach doch dein Bächle!" Komisch, sonst ist das doch auch nicht so wichtig! Es wird heute nicht gelacht und wenn, dann so unnatürlich! - Alle riechen nach Stress!!

Wenn meine Kumpels von ihren Übungen zurückkommen, werden sie von den Wartenden beklatscht, betätschelt - und manche Hundeführer werden GETRÖSTET! Eigenartig!!!

10.00 Uhr
Jetzt sind wir dran! Plötzlich entwickelt sich mein heißgeliebtes Fraule zu einer Fremden. Grob und hektisch zerrt sie mich zum Eingang. Der hastige, steife Schritt und die ernste Miene sind mir äußerst unangenehm. Ich weiche etwas zur Seite. Sofort kommt ein grimmiges "FUSS". Ich folge. - Kein Leckerlie - kein "FEIN" oder "SUPER" - kein Spielie zur Belohnung, wenn ich mich hinsetze sobald sie anhält. Warum benimmt sie sich so blöd?? - Sonderbar!
Ich werd langsam sauer!

10.10 Uhr
Jetzt leint sie mich ab. Ich fühle mich wieder etwas besser. Ich schüttle mich kurz. Anscheinend ist die eisige Phase vorüber. Da zischt sie mir wieder ein unnatürliches "FUSS" entgegen. Rechtskurven, Linkskurven, Wendungen, Tempowechsel, Slalom und Anhalten haben wir trainiert, und ich kann alles wie im Schlaf. Trotzdem fehlt mir heute die Sicherheit. Ich finde den Faden zu meinem Oberhund nicht. So trotte ich nebenher. Das macht keinen Spass!Ich fühle mich unwohl. Gäääähhhnn!!!
Wieder halten wir an. Sie lobt mich nicht, trotzdem ich doch alles richtig gemacht habe. Ich weiß, dass jetzt mein SITZ AUS DER BEWEGUNG kommt. Doch der Befehl klingt anders. Gekrächzt! Hat sie denn nun "SITZ" oder "PLATZ" gesagt? Es irritiert mich. Ich gehe vorsichtshalber in eine Stellung zwischen SITZ und PLATZ. So wird´s schon recht sein. Fraule bekommt den bösen Blick, lässt die Schultern herabfallen, ihre Haltung verrät nichts Gutes. Schnell lege ich mich hin, um meine Ergebenheit auszudrücken. So, wie sie jetzt auf mich zukommt, ist sie mir unheimlich. Jetzt habe ich Magendrücken. Und als sie mir ihr "SITZ" zuzischt, kusche ich lieber mal weiter in Liegestellung.
Mir reicht´s langsam!
Das erneute Losgehen mache ich zwar automatisch mit, aber als sie "PLATZ" herausstammelt, bleibe ich einfach stehen. Jetzt atmet sie auch noch fast hechelnd. Ich begebe mich vorsichtig zu ihr und hoffe, endlich ihr " BRAV" zu hören, aber sie wird richtig ärgerlich.

10.20 Uhr
Da, wedel-wedel, sie geht in Richtung Bringhölzer.
Meine Lieblingsübung! Mir lacht das Herz! Freudig gehe ich bei Fuss, setze mich blitzartig, als sie das Holz auslegt und warte auf ihr "BRING". Es kommt - scharf -  und als ich mich mit dem aufgenommenen Holz wieder in Richtung Fraule drehe, sehe ich ihre miese Laune. Weil ich sie auf der Spielwiese mit Stöckchenspielen immer aufheitern kann, versuch ich es jetzt und fordere sie auf, mir nachzurennen. Na los doch !!!!

Da brüllt sie " BRING" und schäumt vor Wut. Nicht einmal die Spielaufforderung versteht sie. Ich lasse das Bringholz lieber fallen und gehe in die Grundstellung. Das mag sie doch sonst. Verzweifelt himmle ich sie an. Wieder falsch! Ich spüre es an Ihrer Körpersprache!! Es ist zum Verzweifeln!!
Die nächste Übung DISTANZKONTROLLE versetzt mich nun in einen Zwiespalt. Als sie mir aus 15 Metern Entfernung das Kommando zum SITZ gibt, da frage ich mich:"Will sie das wirklich? Was will sie eigentlich?"

Kann ich ihr heute irgend etwas recht machen????
Da fällt mir was ein! Sie ist doch immer ganz begeistert, wenn ich morgens rasch mein Häufchen erledige. Vielleicht erheitert sie das? Vielleicht bekomme ich sogar ein Extra-Leckerlie?
Ich laufe schnell seitlich an den Rand des Hundeplatzes und befreie mich, körperlich und seelisch. Ich komme ja gleich wieder. Jetzt wird alles gut!

Doch wie schrecklich! Wie sie mich anschaut!!
Großer allmächtiger Wolf, bewahre mich vor dem Tierheim! Lass es Abend werden!

Denn morgen wird sicher alles wieder gut.

 

 

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